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Pyometra (Gebärmuttervereiterung)

Beschreibung der Krankheit

 

Definition: Eine Pyometra ist durch eine Eiteransammlung im Gebärmutterlumen gekennzeichnet (Susanna Arnold; 2004). Warrlich A. (2004) beschreibt die Pyometra als Erkrankung des adulten, intakten Hundes.

 

Als Synonym beschreibt Cheri A. Johnson (2006) den GHE-Pyometra-Komplex, da der Autor eine glandulärzystische Hyperplasie des Endometriums in Zusammenhang mit einer Pyometra stellt. Susanna Arnold (2004) führt den Begriff Pyometra-Endometritis-Komplex auf.

 

Als Ursache kommt Progesteron in Frage. Dieses Hormon, welches die endo­metrialen Uterusdrüsen stimuliert und die sekretorische Aktivität beeinflusst, wird vom Körper selber produziert. Daraus resultiert eine Flüssigkeitsansammlung im Lumen des Uterus und in den Drüsen. Zudem verringert Progesteron die Aktivität der Uterusmuskultur. Die Zeit der meisten Progesteronproduktion ist im Diöstrus, der Zeit nach der Läufigkeit. Eine bakterielle Besiedelung der Flüssigkeit vor allem durch E.coli-Stämme führt zu dem Bild der Pyometra (Cheri A. Johnson; 2006). Die Resistenz des Uterus gegen bakterielle Keime wird durchs Progesteron zusätzlich vermindert (Susanna Arnold; 2004). Gröger S. et al. (2007) beschreiben die Pyometra der Hündin als eine Faktorenerkrankung, welche aus hormonellen und bakteriellen Einflüssen entsteht.

Das Risiko an einer Pyometra zu erkranken, steigt mit dem Lebensalter der Tiere an. Als mittleres Alter wird 6,5 bis 8,5 Lebensjahre angegeben (Cheri A. Johnson; 2006). Als weitere Risikofaktoren werden Hormonbehandlungen und welpenlose Tiere be­schrieben (Cheri A. Johnson; 2006).

 

Symptome welche bei betroffenen Tieren zu erkennen sind werden in die offenen und geschlossene Form der Pyometra unterteilt. Die offenen Form der Pyometra ist dadurch gekennzeichnet, dass der Zervixbereich des Uterus geöffnet ist und das Gebärmuttersekret aus der Vagina ausfließe kann. Dies fällt den Besitzern der Tiere häufig auf und fehlt bei der geschlossnen Form (Cheri A. Johnson; 2006; Susanna Arnold; 2004).

Allgemeine Symptome sind Inappetenz, Lethagie und Erbrechen sowie Polyurie und Polydipsie. Fieber kommt nur bei 20% der Patienten vor. Eine Dehydratation kann vom Besitzer oder untersuchendem Arzt bemerkt werden (Cheri A. Johnson; 2006). Eine Nachhandschwäche wird selten beobachtet und kommt eher bei der geschlossenen Form der Pyometra vor (Susanna Arnold; 2004).

 

Die Diagnose lässt sich durch Abtasten des Bauchraumes erheben. Der Uterus ist vergrößert und abnorm von der Konsistenz (Susanna Arnold; 2004). Sollte kein Ausfluß aus der Vagina bestehen, ist eine Pyometra durch Röntgenaufnahmen oder durch eine sonografische Unersuchung des Bauchraumes zu diagnostizieren. Das Durchführen der Röntgenuntersuchung hält Cheri A. Johnson (2006) für unbedingt erforderlich, um eine Pyometra zu bestätigen und um eine Trächtigkeit auszu­schließen. Die Sonografie kann den Füllungszustand des Uterus bestimmen und die Dicke der Gebärmutterwand erkennen lassen. Eine Trächtigkeit kann ebenfalls mit der Ultraschalldiagnostik ausgeschlossen werden (Cheri A. Johnson; 2006). Eine Vaginoskopie stellt den Flüssigkeitssee in der Vagina dar und lässt erkennen, ob dieser der Gebärmutter entstammt (Susanna Arnold; 2004).

Laborparameter werden benötigt, um den Verlauf der Erkankung und die Schädigung der inneren Organe zu beurteilen. Veränderte Blutwertekönnen sein: Hyperproteinämie, Hyperglobolinämie, Azotämie, Anstieg der Alaninamino­transferase und alkalische Phosphatase (Cheri A. Johnson; 2006). Zudem zeigt das Blutbild noch eine Leukozytose mit Neutrophilie und Monozytose (Susanna Arnold; 2004). Eine Anämie durch eine Knochenmarksdepression wird nur selten gesehen (Susanna Arnold; 2004). Warrlich A. (2004) weist darauf hin, dass die Labor­parameter unspezifisch sind und nicht unbedingt mit einer Pyometra korrelieren müssen.

Eine Harnuntersuchungzeigt bei 1/3 der betroffenen Hündinnen eine Isosthenurie und oder Proteinurie (Cheri A. Johnson; 2006).

Eine Vaginalzytologie ist meist abnorm und enthält teilweise Endometriumzellen (Cheri A. Johnson; 2006).

 

Die Folgen einer Pyometra können Septikämie, Endotoxämie und Schock mit Ver­sterben sein (Cheri A. Johnson; 2006; Susanna Arnold; 2004, Warrlich A., 2004). Nierenschäden treten häufig als Folge von Pyometren auf (Warrlich A., 2004)

 

Als Therapie kommen sofortige Maßnahmen in Betracht. Eine Infusionstherapie stabilisiert den Zustand des Patienten und korrigiert bestehende Defizite, verbessert die Nierenfunktion und verbessert die Gewebeperfusion. Eine bestehende Azotämie sollte vor der chirurgischen Intervention erfolgreich behandelt werden. Eine sofortige antibiotische Therapie sollte mittels eines Breitbandantibiotikums erfolgen, welche gegen E. coli wirkt. Eine Cortisonbehandlung ist hilfreich bei Patienten mit Endotoxämie oder im Schock (Cheri A. Johnson; 2006). Auch Gröger et al. (2007) kommen nach ihren Untersuchungen zum Schluß, dass ein Breitbandantibiotikum gegeben werden sollte, da die Vaginaltupferproben ein anderes Keimspektrum bieten, als im Uteruslumen.

Eine hormonelle Therapie mittels PGF 2ą sollte nur bei der offenen Form der Pyometra angewandt werden, da sonst die Gefahr der Ruptur der Gebärmutter besteht. Als Rechtfertigung für eine Therapie mittels Hormonen als Alternative zur Chirurgie kann nur der Wunsch nach Welpen sein (Cheri A. Johnson; 2006).

Die Rezedivrate liegt nach Cheri A. Johnson (2006) bei 77% und nach Warrlich A. (2004) bei 50%.

Seit einigen Jahren ist ein Medikament (Antiprogestagen – Agleprestone) für Hunde mit Pyometra zugelassen, welches die Gebärmutter zur Kontraktion und gleichzeitig die Zervix zum Öffnen bringt. Daraus resultiert, dass die Flüssigkeit aus der Gebärmutter ausgeschieden wird (Gröger S. et al., 2007). Dieses Medikament wird vor allem eingesetzt, wenn die Hündinnen noch decken sollen oder eine Operation durch den Allgemeinzustand des Tieres zu gefährlich ist (Gröger S. et al., 2007). Über die positiven Erfolge von dem Antiprogestagen berichtet auch Warrlich A. (2004).

Als Differentialdiagnosen stellt Susanna Arnold (2004) folgende Erkrankungen dar: Deckverletzungen, Scheidentumore, bakteriell bedingte Vaginitiden.

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