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Giardien

Beschreibung der Giardiose

 

Definitionen

Die Giardiose ist eine infektiöse, parasitäre Durchfallerkrankung, die besonders bei Jungtieren anzutreffen ist. Sie zählt zu den Faktorenerkrankungen, welche erst Symptome aufzeigt, wenn mehrere Umgebungsfaktoren gleichzeitig zusammen treffen (Beck, 2007).

Die Giardien werden zu den Flagelaten, eine Unterart der Protozoon, gezählt, welche im Dünndarm, Jejunum und Ileum parasitieren. Man unterscheidet bei den Giardien zwei unterschiedliche Überlebensformen. Die Trophozoiten oder auch die vegetativen Formen der Giardien sind die ausgewachsenen Parasiten, welche im Darm leben und sich an das Darmepithel festsaugen und dort Schaden anrichten. Die Teilungsform entspricht den Zysten, welche durch eine Schutzschicht mehrere Monate in der Umgebung überlebensfähig sind. Die birnenähnliche Struktur der vegetativen Stadien mit den zwei Zellkernen und der Geißel zur Fortbewegung gibt den Parasiten unter dem Mikroskop das unverwechselbare Aussehen. Die Trophozoiten leben aber nicht nur an die Darmwand festgesaugt, sondern werden teilweise auch mit dem Kot ausgeschieden, sind aber in der Umwelt wenig überlebensfähig. Die Zysten hingegen umgeben sie sich mit einer Schutzschicht und werden über den fäkal-oralen Weg auf neue Wirte übertragen. In normalem Umgebungsmilieu sind diese Zysten mehrere Monate infektiös (Göbel und Hasslinger, 2003). Junge Tiere werden schneller befallen als ältere. Da Giardien nicht wirtsspezifisch sind, sind diese Parasiten von dem Hund auf die Katze und auf den Menschen übertragbar. Sie gelten als Zoonoseerreger (Göbel und Hasslinger, 2003).

 

Der Infektionsweg beginnt mit Zysten, welche mit dem Kot ausgeschieden werden und im feuchten Milieu lebensfähig sind. Diese Zysten werden dann durch Aufnahme von Feuchtigkeit (Pfützen) auf den neuen Wirt übertragen. Aber auch Koprophagi oder Belecken von mit Trophozoiten infiziertem Haarkleid kann zu einer Infektion führen (Beck, 2007).

 

Die Klinik äußert sich indem akute und chronische Durchfälle auftreten. Der Kot ist dünnflüssig bis schleimig und teilweise auch blutig (Beck, 2007; Göbel und Hasslinger, 2003). In der Folge können Anorexie (Verweigerung der Nahrung) und Exsikkose (Austrocknung der Zellen durch Abnahme der Körperflüssigkeit) auftreten. Die Patenz der Parasitose kann Monate bis Jahre dauern (Göbel und Hasslinger, 2003). Das Ausscheiden von Zysten beginnt erst 2-3 Tage nach der Infektion (Göbel und Hasslinger, 2003). Laut Flasshoff (1993) findet man gelegentlich Giardien in der Mucosa von gesunden Hunden, welche keine Diarrhoe aufweisen. Auch Willard (2006) beschreibt, dass nur schwache Symptome bei infizierten Hunden auftreten können. Beim Menschen ist ein Aufstieg der Einzeller durch die Gallengänge in die Leber nachgewiesen (Willard, 2006). Bakterielle Sekundärinfektionen werden durch die Schädigung der Darmwand und den geschwächten Organismus begünstigt (Beck, 2007).

 

Die Verbreitung der Giardien ist weltweit. Im Darm kann sich die Anzahl der Parasiten innerhalb von 5 Stunden verdoppeln (Suter, 2004). Der Parasit wird vom Autor als fakultativ pathogen bezeichnet und damit bestätigt er die Aussage von Flasshoff (1993), welcher ebenfalls beschreibt, dass in gesunden Hunden Giardien gefunden werden, ohne dass klinische Symptome auftreten. Auch Beck (2007) beschreibt, dass es bei Hunden zu Dauerausscheidern kommt, welche selber keine Symptome zeigen. Der Durchseuchungsgrad der Hunde wurde 2004 von Suter mit 20% bis 56% bezeichnet, je nachdem ob fester Kot oder Durchfall untersucht wurde. Barutzki et al. (2011) beschreiben den Durchseuchungsgrad mit 18,6% bei ausge­wachsenen Hunden und mit 37,5-38,2% bei Tieren unter 6 Monaten. Die Präpatenz­zeit (Zeitraum bis zum Ausscheiden erster infektionstüchtiger Zysten) liegt laut diesen Autoren bei ca. 6 Tagen. Es sind mehr Hunde als Katzen von den Parasiten befallen (Willard, 2006). Junge Tiere haben ein ungenügend ausgebildetes Immunsystem, daher infizieren sich diese Tiere eher (Barutzki et al., 2011). Die saisonale Dynamik der Infektion wird bei Hunden im Zeitraum zwischen November bis März als besonders hoch eingestuft (Barutzki et., 2011).

 

Als Synonym wird die Erkrankung auch als Lambliasis bezeichnet (Suter, 2004).

 

Die Diagnose einer Giardiose ist schwierig und erfolgt aus ganz frischem Durchfallkot oder durch eine Duodenalspülprobe (Göbel und Hasslinger, 2003). Daueraus­scheider bleiben manchmal unerkannt (Beck, 2007). Es gibt inzwischen mehrere Testverfahren. So weist ein Koproantigen-ELISA ein Antigen der Giardien nach, welches bei der Teilung der Trophozoiten im Darm entsteht (Beck und Pantechev, 2006). Die Diagnose mittels mikroskopischer Untersuchung des Kotes ist erst nach dreimalig negativem Befund aussagekräftig, da die Zysten nicht immer ausge­schieden werden (Suter, 2004). Als weitere Untersuchungstechnik wird die MIFC (Methiolate-Iodine-Formaldehyd-Concentration) Technik angeführt. Jedoch sollte immer eine dreimalige Kotuntprobe im Abstand von einer Woche untersucht werden, um einen Bestand zu kontrollieren (Beck, 2007).

 

Die Therapie der Giardiose ist häufig problematisch (Beck, 2007). Sie erfolgt mittels Metronidazol-Präparaten. Auf Hygiene ist unbedingt zu achten, da die Re­infektionsrate sehr hoch ist (Beck, 2007). Heißer Wasserdampf zerstört die Zysten sicher (Göbel und Hasslinger, 2003). Flasshoff (1993) empfiehlt die Therapie mittels Metronidazol nur in schwerwiegenden Fällen. Beck und Pantechev (2006) empfehlen ebenfalls zur Behandlung der Giardiose Metronidazol oder die Gabe von Fenbendazol (Panacur©). Suter (2004) empfiehlt ebenfalls bei Hunden die Gabe von Fenbendazol. Dies sei dem bis dahin verwendetem Metronidazol überlegen. Willard (2006) widerspricht dem und unterstützt die Gabe von Metronidazol und beschreibt, dass 85% der Tiere nach 7 Tagen geheilt sind. Fenbendazol wird von dem Autor ebenfalls favorisiert. Er gibt jedoch zu bedenken, dass keines der Präparate 100%ig wirkt und auch nach der Gabe eines Präparates Giardien noch vorhanden sein können. Beck (2007) empfiehlt Welpen im Alter von 2 Wochen, mit 5 Wochen und bevor sie die Zucht verlassen mit Fenbendazol zu behandeln. Zudem rät er in befallen Beständen die After der Tiere zu scheren, um eine Reinfektion durch Belecken zu vermeiden.

 

Die Prognose ist fast immer günstig. Es ist teilweise nur schwierig, den Erreger zu eliminieren (Willard, 2006).

 

Über das Vorkommen von Giardien wird in allen Tierarten und beim Menschen berichtet (Beck, 2007). Hierbei sind Rassehunde häufiger als Mischlinge befallen. Weibliche Tiere infizieren sich eher als männliche und Tiere unter 6 Jahren haben eine höhere Disposition an der Parasitose zu erkranken (Beck, 2007). Die Prävalenz der Erkrankung wird bei Privathaltung mit 17,5% und bei Zuchthunden bei 24,7 beschrieben (Barutzki, 1989).

 

Als Prophylaxe werden alle langhaarigen Tiere gewaschen und die Käfige mit heißem Wasser gereinigt und mit quarternären Ammoniumbasen desinfiziert (Suter, 2004). Auch Beck und Pantechev (2006) empfehlen nach der Reinigung der Käfige die Desinfektion derselben mittels Neopredisan©. Willard (2006) empfiehlt die Desinfektion der Umgebung bei einer Parasitose, da eine Zoonose nicht ausge­schlossen wird und die Zysten in feuchtem Milieu sehr widerstandsfähig sind. Außerdem wird empfohlen die Umgebung trocken und sauber zu halten.

 

Zoonose

Eine direkte Übertragung vom Hund auf den Menschen kann Suter (2004) nicht bestätigen. Jedoch beschreibt der Autor die umgekehrte Richtung, dass sich Hunde bei Menschen angesteckt haben und bezeichnet die Parasiten daher als potentielle Ansteckungsquelle.Willard (2006) geht jedoch soweit, dass eine Zoonose aufgrund der leichten Reinfektion möglich ist. Von der WHO werden Giardien als darmpathogene Erreger eingestuft, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind (Beck, 2007).

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